Olaf Grewe

Mein Eindruck

Bessere PR durch digitale Kommunikation

Die Ägyptenkrise hat uns die herausragende Bedeutung digitaler Medien vor Augen geführt. Zudem wurde offenbart, dass selbst autoritäre Regime die Berichterstattung nicht unterbinden können. Für uns als PR-Berater gilt es, diese Chancen und Risiken zu erkennen und unsere Kunden richtig zu beraten. Dazu müssen wir müssen die Tools beherrschen, anwenden und die Mechanismen verstehen. 

Richard Gutjahr zeigt, woran der Journalismus krankt. Informationen werden oft aus nur zweiter oder dritter Hand halbwegs journalistisch verarbeitet. Diesem alten Wein in neuen Schläuchen wollte er ein Ende bereiten und ist auf eigene Faust nach Ägypten in das Krisengebiet gefahren, um direkt aus dem Zentrum des Aufstands gegen Hosni Mubarak zu berichten.(Hier die Tweets zu #Egypt). Die Diskussion um Richard Gutjahrs Eigen-PR und amgebliche Selbstdarstellung will ich hier nicht führen. Das tun andere mit wesentlich mehr Kompetenz (vgl. unter anderem hier

Keine Zeit für Recherchen?
Wesentlich spannender ist die Tatsache, die sich auch bei meiner alltäglichen Arbeit als PR-Berater widerspiegelt: Die Zeit für profunde Recherchen nimmt bei Journalisten ab  und Meinungen bilden sich dann sehr schnell aus nur einer Quelle heraus. Beispielhaft sei hier der AWD-Fall genannt, wo angeblich vom Journalisten nur eine Seite der Medaille beleuchtet wurde – aus welchen Gründen auch immer (Beitrag hier). Aber nur, weil Zeitdruck herrscht, darf ein solcher Beitrag gar nicht gesandt werden, das entspricht nicht den journalistischen Regeln, was AWD-Gründer Maschmeyer zu recht bemängelt.

Genau diese Arbeitsweise macht es uns in der Medienarbeit oft einfach oft aber auch sehr schwer. So etwa bei komplexeren Themen,  wie bei Krisen- oder Branding-Projekten. Hierzu führten unter anderem Peter Röthlisberger, Chefredaktor «Blick am Abend», Prof. Marlies Prinzing, Kommunikationsforscherin und Sacha Wigdorovits, PR Berater eine lebhafte Diskussion auf dem Communication Summit der Zürcher PR-Gesellschaft und des Zürcher Pressevereins. Die Meinung hier: Junge gute Kräfte kommen in einen Markt, der sie sehr bald desillusioniert. Zudem seien die ökonomischen Zwänge oftmals viel zu stark, um noch guten „alten“ Qualitätsjournalismus zu betreiben.

Sensibilisieren, beraten, umsetzen
Was können wir also in der PR tun, um hier für unsere Kunden optimal zu handeln? Im Grunde genau das, was wir in unserer Ausbildung gelernt haben: Sensibilisieren für neue Themen, beraten und dann gemeinsam umsetzen. Und hier komme ich wieder auf eine Aussage von Richard Gutjahr zurück:

Man muss sich wirklich wieder mehr um die Leute selber kümmern, und nicht aus zweiter oder dritter Hand Informationen abgreifen. […] Die neuen Techniken helfen uns dabei, denn ich kann tatsächlich vom Platz [Tahrir Platz in Kairo; OGR] aus selber ein Photo hochladen, meinetwegen auch Video. […] Die neuen Techniken helfen Dir, dabei besser, individueller auf die jeweilige Situation zugeschnitten zu arbeiten – und zwar auch direkter, nicht so indirekt, zehn Kilometer entfernt von irgendeinem Sendegebäude aus.

Das Interview gibt es hier

Tools und Medienformate richtig nutzen
Das heisst für uns erstens, dass wir unsere Kunden darauf vorbereiten, sollten sie es nicht ohnehin schon getan haben, mit den Medienvertretern wieder einen Dialog aufzunehmen. Im Klartext: Es geht nicht mehr ex cathedra auf dem bequemen Weg per Mail, unverfänglich und schwammig via Telefon, um nichts Falsches zu sagen und weitere Informationen möglichst dosiert mitzugeben. Nur im direkten offenen Dialog mit Kunden und Journalisten werden Storys geboren und erhalten den Dreh, der sie dann erfolgreich macht. Einige Unternehmen aus dem B2B und B2C-Bereich machen es im digitalen Umfeld vor und twittern ihre Botschaften, wie etwa Google-Vertreter  an grosse Leserkreise und stehen via Facebook aktiv mit ihren Kunden im Dialog. Diesen Dialog müssen wir Berater fördern und fordern. (Beispiel Hansgrohe oder Migros)

Zweitens: Die „neuen“ Kommunikationswege sind bi-direktional. Sie leben vom Dialog. Etwa via Twitter: Auf 140 Zeichen pro Tweet können Botschaften formuliert werden, Dialoge geführt und Kontakte geknüpft werden. Videos, Bilder und Grafiken können bequem versendet und weiterführende Informationen verlinkt werden, denn die recherchiert im Zweifelsfall der Journalist selber nach. Und das hat noch nichts mit einer Social Media Strategie zu tun, sondern nur mit neuen Wegen, mit Mittlern oder Zielgruppen direkt zu kommunizieren und die Reichweite zu erhöhen. Aber Vorsicht: Unternehmen müssen auch der digitalen Kommunikation aufgeschlossen und willen sein, den Dialog offen und fundiert zu führen.

Drittens bin ich der Ansicht, dass wir unseren Kunden helfen müssen, Antworten in Zeit, Format und Qualität den Gegebenheiten anzupassen: Wie Richard Gutjahr sagt, die neuen Techniken helfen situationsentsprechend zu antworten. Die Hemmungen vor den neuen Medien oder ungeübten Formaten dürfen nicht die Arbeit behindern, sonst zieht die mediale Aufmerksamkeit an einem vorbei oder man macht sich lächerlich. (vgl. Radio-Mann Brunnercaffi am 4. Februar „ Aargh! Bundesämter! Lassen sich anderthalb Stunden Zeit, um auf eine Anfrage zu reagieren und wollen dann für Radios schriftlich antworten!“)

Die Mittel und Wege sind heute nahezu unbegrenzt. Wir müssen sie nur richtig nutzen, ob wir nun als Richard Gutjahr im Zentrum einer Krise sind oder in der Pressestelle eines Unternehmens.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 11. Februar 2011 von in PR&Kommunikation und getaggt mit , , , , , .
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