Olaf Grewe

Mein Eindruck

Shellte für Shell

Neuanfang der Krisen PR durch Social Media?

Die aktuelle Krise von Shell im Fall der Plattform „Gannet Alpha“ vor der Küste Schottlands ruft bei Krisenkommunikatoren Grausen hervor. Es sind nicht die ungezählten Tonnen Rohöl, die das einzigartige Ökosystem Meer verseuchen. Vielmehr sind es die offensichtlich zu Tage tretenden Kommunikationsfehler, die Shell begeht.

Ölförderung ist ein Drecksgeschäft

Wir wissen es alle: Öl ist eigentlich eine Schweinerei. Bei der Förderung versauen wir unsere Umwelt, beim Verbrauch als Heiz- oder Kraftstoff sowieso und in Pflegeprodukten oder Kosmetika versauen wir uns und unsere Gesundheit. Doch was soll’s? Munter nehmen wir all dies in Kauf.

Doch halt, so einfach ist das Ganze nicht. Tritt tatsächlich etwas schwarzes Gold aus dem Meeresboden aus, verseucht die schöne Schottische Küste – oder schlimmer noch Urlaubsparadiese, wie den Golf von Mexiko – da hört dann alle Freundschaft auf. Und noch viel schlimmer ist es, dass wir fordern, über solche Unfälle ausreichend, transparent und richtig informiert zu werden. Soweit nicht schlimm, denn Sauereien, die aus reiner Profitgier und den daraus resultierenden negativen Förderbedingungen entstehen, müssen aufgedeckt werden. Schliesslich müssen wir den Ölfördernden Unternehmen trauen, dass sie sorgsam mit unserem Planeten umgehen. (Ich will hier nicht gesellschaftskritisch werden, denn darum geht es nicht!)

Neues Verhalten

Der Konsument ist ja nicht dumm. Er weiss schon, wie er an die Informationen kommen kann, die er haben möchte. Die Medien tun ihr Übriges und erledigen ihren Job – mal mehr, mal weniger gut. Schlimm wird es dann, wenn wir nicht mehr wissen, wem wir trauen sollen. Wenn Unternehmen wie Shell von den „natürlichen Feinden“ wie WWF etc. zur Rede gestellt werden, dann trauen wir pauschal mal eher den „Guten“ und nicht dem Profiteur. Warum? Weil wir, und ich denke, dass das die Mehrzahl der Bevölkerung der Erde betrifft, gar nicht wissen, was auf hoher See in der Tiefsee so vor sich geht. Wir wissen nicht, welche Sauereien dort von Statten gehen. Wir wissen nur: Es gibt hübsche Tiefseefische, Tiefseefauna und Bohrgestänge.

Die Unternehmen sind also in meinen Augen in der Pflicht, uns zu erklären, was dort draussen passiert. Wir müssen wissen, was auf einer Ölbohrplattform gemacht wird, wissen, was es bedeutet, eine Plattform auf einem mehrere Kilometer tieferliegenden Grund zu bauen und dann noch zielgerichtet zu bohren. Wir sollten erfahren, was die Chance und Risiken sind. Wir wissen besser über die Nährwerte unseres Hamburgers Bescheid als über die Dinge, die die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder betrifft.

Wir sind das Volk

Daher sind Salamitaktik und halbherzige Informationen nicht mehr gültige Mittel, um Krisenkommunikation zu betreiben. Daher muss sofort eine Information raus, egal wie vage. Denn über Social Media Kanäle erhalten wir – und auch die Investoren der Unternehmen – Meldungen aus allen Regionen dieser Welt in Sekundenschnelle. Das ist eine neue Form der Kommunikation, an die sich viele Unternehmen noch gewöhnen müssen. Denn diese Kanäle bedingen Offenheit und Geschwindigkteit.

@RolandBinz schlug eine Journalistenreise zu der Plattform Gannet Alpha vor, so dass sichtbar wird, was dort passiert, um die Katastrophe zu verhindern.  Doch gerade diese Transparenz ist es, die fehlt und vor der Unternehmen wie Shell zurückschrecken. Das heisst also: Seit Mexiko gelten neue Regeln in der Kommunikation. Die Grundsätze sind gleich, die Zielgruppenansprache hat sich lediglich verschoben, so dass wir Konsumenten schneller und umfassender informiert werden wollen.

Allerdings müssen wir „unwissend Interessierten“ uns angewöhnen, mehr als eine Quelle zu suchen, um uns eine Meinung zu bilden. Die Medienberichterstattung ist das eine, die Meldungen der Unternehmen eine andere Seite der Geschichte. Wichtig ist es, das eigene Hirn anzuschalten, denn das läuft auch ohne Erdöl.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 20. August 2011 von in PR&Kommunikation und getaggt mit .
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