Olaf Grewe

Mein Eindruck

Wie man einen Politiker sich selber schlachten lässt

Zumindest medial wird Christian Wulff, Bundespräsident Deutschlands, wie eine Salami in Scheiben geschnitten und der hungrigen Meute serviert.

Es war einmal mein Traumjob: Bundespräsident. Damals angefeuert durch Persönlichkeiten mit Profil. Menschen mit Ecken und Kanten, die repräsentierten und denen zum Teil viele Stilblüten in den Mund gelegt wurden. Angefeuert von der ungeheuren Fülle an tiefschürfenden Reden, die ein Volk bewegten. Doch heute bin ich froh, nur ein kleiner Angestellter zu sein. Froh, nicht schon mit oberflächlichen Blabla anzuecken – wie etwa mit einer Weihnachtsposse; froh, nicht einer Masse an Möchtegern-Vorzeigemenschen zum Frasse vorgeworfen zu werden.

Christian Wulff / Bild: (c) AP (Michael Sohn)

Wie Köhler damals scheiterte, nachhaltig in die Geschichtsbücher einzugehen, weil er sich allzu deutlich von seinem grossen Vorgängern RauHerzog und von Weizäcker unterscheiden wollte, so kann auch nur jeder andere scheitern. Stets wird der Bundespräsident gemessen an dem, was mal gross war, stets mit den mahnenden Statuen der Heroen längst vergangener Epochen bedroht.

Der Zeigefinger

Denn moralisch und ohne Makel soll er sein, unfehlbar (und ich rede nicht vom Papst). Und findet die Medienwelt etwas oder verhält sich der Bundespräsident im Umgang mit den Medien – vorsichtig formuliert – etwas schusselig, so ist er verloren. Wie die eingangs erwähnte Salami demontiert die Bildzeitung derzeit Bundespräsident Wulff.

Der Anruf auf Diekmanns Anrufbeantworter war doch sicherlich nicht erst seit heute bekannt. Nein, der Anruf wird dann veröffentlicht, wenn die Auflage durch einen neuen Skandal wieder aufgepeppt werden kann. Die Häme in den Medien und in der digitalen Welt, brauche ich nicht zu erwähnen, nehme ich an.

Des Pudels Kern

Dies ist keine Medienschelte, das steht mir nicht zu. Ich verteidige auch Bundespräsident Wulff nicht. Im Gegenteil: Ich verstehe nicht, wie er es mit seinen hochbezahlten Beratern geschafft hat, sich derart ins Abseits zu manövrieren. Er schweigt sich um Kopf und Kragen.

Warum hat er nicht gleich die Karten auf den Tisch gelegt? Warum hat er nicht gesagt, dass er das Gespräch mit den Medien gesucht hat und (dummerweise) auf mögliche juristische Folgen einer Berichterstattung hingewiesen hat? Vor allem schockiert mich die Blauäugigkeit, wie er annehmen konnte, dass seine laienhaften Drohungen auf einem Anrufbeantworter nicht rauskommen?

Kurzum: Ich verstehe die Strategie nicht. Und wenn es sein Ziel war, nicht länger das höchste Amt Deutschlands zu bekleiden, dann wird er das sehr gut erreichen. Dann griff jede von ihm angewandte Taktik. Aber dann ist das ein Armutszeugnis für diese Gesellschaft, dass man sich so aus dem Amt stehlen muss? Dann will ich wirklich niemals Bundespräsident werden.

P.S. Dazu passend und eine gute Basis für zeitgemässe Kommunikation: Die Kunst des Krieges von Sun Tsu (General aus dem uralten China).

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 3. Januar 2012 von in Aktuelles, Persönliches, PR&Kommunikation und getaggt mit , , .
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