Olaf Grewe

Mein Eindruck

Trends in der Kommunikation

Das Jahr 2016 neigt sich dem Ende entgegen. Und damit sei ein Ausblick auf die Trends 2017 gestattet, die aus meiner Sicht die digitale Kommunikation beeinflussen werden.

Im Laufe des Jahres habe ich einige Themen immer wieder aufkochen sehen. Viele sind sehr mächtig und werden sicher viele Dinge beeinflussen, so etwa den ganzen Bereich der Website-Entwicklung, SEO & Co sowie Direktmarketing. Viele dieser technologischen Digitaltrends lasse ich mal aussen vor.

Wichtiger finde ich folgende Aspekte, die meinen Job in der globalen PR und Social Media betreffen werden. Diese Trends sind nicht visionär, sondern für mich persönlich ganz praktischer Natur.

  • Künstliche Intelligenz (KI)/Bots/Automatisierung – Das Thema Bots wird noch immer nur müde belächelt. Dies von vielen Marketingtreibenden sowie PRlern mit grosser Vorsicht wegen Jobangst beäugt. Diese kleinen maschinellen Antwortgeber, Textersteller und Prozessbeschleuniger werden aktuell breit eingesetzt. Am HarbourClub Symposium 2016 hat Richard Gutjahr darüber gesprochen und z.B. Siri, Amazon Alexa vorgestellt. Er erwähnte den Einfluss der Bots und deren Macht, Stimmungsmache (etwa während des US Wahlkampfs) zu betreiben – im Kopf ist uns sicher noch der umstrittene Magazin Beitrag zum Thema, wie Big Data Trump zum Sieger gemacht haben.
    Fakt ist: Wir nutzen Bots täglich, etwa in Form von automatischen Antworten bei Facebook; Auf etlichen Service-Seiten steuern sie Kundenanfragen, lenken und beantworten Anfragen ohne menschliche Interaktion. Ein Beispiel: Die Zürcher Agentur Sir Mary. Bots texten bereits Zeitungsartikel (z.B. Wettermeldungen und ähnlich a priori im Inhalt vordefinierte Texte).
    Ich glaube, dass Bots 2017 einen deutlichen Boom erleben werden. Sinnvoll eingesetzt können Unternehmen wie auch Kunden Mehrwert durch die „guten“ Bots erzielen. So etwa im Bereich des Services oder der Beratung. Hier kann viel automatisiert werden und Kunden können gezielt auf passende Lösungen gelenkt werden.
  • Storytelling und Content ist KingContent und das Kanalübergreifende Storytelling ist der Schlüssel zum Erfolg – das war er schon immer und wird es immer bleiben. Wir erleben, dass Plattformen wie Scompler helfen, dass Unternehmen im Bereich des Silo-übergreifenden strategischen Storytellings einen weiteren Schritt nach vorne bringen.
    Dass Storytelling immer wichtiger wird, haben alle Unternehmen begriffen. Die Entwicklung zeigt auch, dass immer mehr Aufwand in die Erstellung guten und hochwertigen Contents gesteckt wird. Die Folge ist ein Überangebot.
    Der Trend 2017: Viel mehr Werbung für diesen Content ist nötig, um diesen aus der Masse hervorzuheben. Gleichzeitig wird viel mehr Zeit und Geld in hochwertigen und Silo-übergreifenden Content investiert.
  • Glaubwürdigkeit – Einer der Wege, um Content zu bewerben ist das Native Advertising.  2020 soll Native Advertising laut einer Studie bereits einen Marktanteil von 52 Prozent an der Digitalwerbung ausmachen. Da soziale Medien wie Facebook immer mehr die organische Reichweite beschneiden – also die Reichweite, die ich ohne Anzeigen erreichen kann – müssen Social Media mittlerweile als Paid Media bewertet werden. Damit ist auch das Grundproblem angedeutet: Die Glaubwürdigkeit der Medien – voll mit Sponsored Content – gekaufte Blogbeiträgen von Influencern stehen unter Beschuss und büssen an Glaubwürdigkeit ein. Denn User lassen sich nicht veräppeln (beachtet mal dieses Video).
    Auch wenn unsere Kids das toll finden, das die einflussreichsten Influencer oder YouTuber wie PweDiePie oder Caro_e_ toll finden. Älter User und Rezipienten glauben aber nicht jeden Mist und blättern zunehmend über Werbung hinweg, bewerten Blogbeiträge zu Produkten kritisch und minimieren so die Glaubwürdigkeit der Kommunikation.
    Ich bin der Ansicht, das Native Advertising – vergleichbar mit einer Publireportage – sicher ein Weg ist, um Inhalte zu verbreiten. Die Entwicklung wird anhalten. Auch im Bereich Social Media wird mehr Werbung geschaltet werden müssen, indem Beiträge in Twitter, Facebook&Co mit Geld gepusht werden.
    Perspektivisch glaube ich aber nicht an den Erfolg der klassischen Werbung – wozu Native Advertising und Influencer Marketing auch gehört – da deren Glaubwürdigkeit recht dürftig ist. Ich glaube daran, dass immer mehr auf den Kunden und seine Bedürfnisse eingegangen werden muss. Heisst: Kampagnen, die den User involvieren, motivieren Teil des Ganzen zu sein, ihn belohnen und Anerkennung bieten oder sich sogar zu exponieren.
  • Mehr Bewegtbild – Live Videos sind die nächste Stufe in der Social Media Kommunikation und Videos allgemein sind beste Verkaufstreiber und auch in der B2B Kommunikation extrem wichtig. Da Flatrates von Netzwerkprovidern Datenmengen kaum noch begrenzen, konsumieren immer mehr User hauptsächlich Videos. Facebook und Twitter, sowie Snapchat und Co ermöglichen mit ihren Anwendungen, dass User ihre Rezipienten mit auf eine Reise nehmen. Das bedeutet, dass wir mit Live-Videos ein „Mittendrin-Gefühl“ hervorrufen können. Pokémon Go war hier nur ein kleiner, verspielter erster Schritt.
    Denn der nächste Clou sind 360° Videos und läutet so die Ära der Virtual Reality (VR) Egal ob zur Unterhaltung, zur Kommunikation oder zur Bildung: Die Möglichkeiten hier sind riesig und werden uns 2017 klar werden. Mit Occulus Rift, Playstation VR und dem HTC Vive gibt es qualitativ hochwertige Geräte, die das Eintauchen in die virtuelle Welt in die gekannter Qualität ermöglichen. Zwar sind die Endkundenpreise noch hoch, die Akzeptanz ist aber vorhanden. Wir sollten daher auch unsere Kommunikation dahingehend anpassen. Etwa mit Live Videos von Messen, 360° Videos zu verschiedenen Anlässen und VR Anwendungen. Wichtig: Die meisten Nutzer schauen die Videos mit geringer oder gar keiner Lautstärke an. Damit Videos immer konsumiert werden können – auch in den SBB – müssen Untertitel oder eine passende Call-to-Action Einblendungen eingearbeitet werden.
  • Social Media Plattformen – Vor allem die direkte Kommunikation mit Kunden und Rezipienten über die verschiedenen Messenger werden immer wichtiger in der Kommunikation. Diese wollen möglichst individuell angesprochen werden und individuellen Service geniessen. Facebook baut derzeit seine Funktionalitäten aus – Video Chat wird kommen – Snapchat ist gekommen, um zu bleiben; Threema und WhatsApp sind quasi Kommunikationsstandard. Die Personalisierung in der Kundenansprache setzt ein Social CRM voraus – wie etwa das in Obi4Wan – sowie eine sehr granulare Ansprache der Kunden und Gesprächspartner, die begeistert werden wollen (IBM Blog sagt wie).
    Ich gehe davon aus, dass wir 2017 mehr in Messenger investieren werden.
    Neue Soziale Plattformen werden kaum 2017 zu einer grossen Bedeutung kommen, die bestehenden Plattformen sind aktuell zu mächtig. Dementsprechend werden bestehende Netzwerke eher an Bedeutung verlieren und die User sich anderen Plattformen mehr zuwenden, aber der grosse Game-Changer ist offenbar noch nicht in Sicht.

In diesem Sinne Euch eine besinnliche Weihnachtszeit und ein frohes und gesundes Neues Jahr!

P.S. Wer sich fragt, warum Mobile hier nicht mehr steht: Ich bin der Ansicht, dass dies mittlerweile in einem solchen Reifegrad sein sollte, dass ohne Responsive Design, Mobile Apps und einem klaren Fokus auf Mobile nichts mehr gehen wird. Das Thema ist also schon angekommen und gehört schon fast zum „Trend-Alteisen“.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 23. Dezember 2016 von in PR&Kommunikation, Social media und getaggt mit , , , , , .
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